Dies ist eine vollständige mündliche Beispielprüfung aus dem Abitur-Konvolut 2023: Teil 1 (Vortrag) aus der Stochastik, Teil 2 (Gespräch) aus der Analysis. Alles ist rechnerfrei zu lösen. Arbeitet die Aufgabe wie eine echte Simulation durch — eine Person trägt vor, die andere prüft mit dem Lösungsweg und dem Prüfer-Leitfaden am Ende mit.
Lesehilfe für die Detailkästen. Jeder Lösungsschritt hat darunter einen klappbaren Kasten „Haltung dahinter". Der erklärt den Schritt von Grund auf — so, als hätte man den Stoff lange nicht mehr gesehen. Jeder Fachbegriff wird beim ersten Auftauchen in einfachen Worten erklärt. Wer nur das Ergebnis braucht, lässt die Kästen zu; wer verstehen will, klappt sie auf.
Kurzanleitung für die abfragende Person (zuerst lesen)
Du musst den Stoff nicht selbst beherrschen, um diese Aufgabe abzunehmen. So gehst du vor:
- Lass die andere Person nur die grauen Aufgabenkästen sehen und laut erklären.
- Du hast den ausgeklappten Lösungsweg vor dir. Vergleiche nicht Wort für Wort — achte auf die fett markierten Kernschritte und die Ergebnisse.
- Die „Haltung dahinter"-Kästen erklären dir jeden Schritt in Alltagssprache. Lies sie ruhig selbst mit — danach kannst du die Erklärung der anderen Person einordnen, auch ohne Vorwissen.
- Am Ende findest du den Prüfer-Leitfaden: dort steht je Teilaufgabe in einem Satz, was eine gute Antwort enthält und welche Rückfrage du stellen kannst.
- Grüne Markierung = Grundwissen (sollte sicher sitzen), gelbe = anspruchsvoller (Nachfragen ok).
Werkzeug zum Nachschlagen: Die wiederkehrenden Stochastik-Werkzeuge (Normalverteilung, Vierfeldertafel, bedingte Wahrscheinlichkeit, Unabhängigkeit, Baumdiagramm) stehen kompakt im Werkzeugkasten Stochastik (Anker u. a. `#normalverteilung`, `#erwartungswert`, `#vierfeldertafel`, `#binomialverteilung`, `#bernoulli-kette`). Die Analysis-Werkzeuge findest du in den Kapiteln Ableit-Handwerk, Funktionsuntersuchung, Integral-Grundlagen, Stammfunktion & Hauptsatz und Grundfunktionen.
Teil 1 — Vortrag (Stochastik): Normalverteilung und Vierfeldertafel
Die Körpergröße der erwachsenen Männer in einer Stadt ist normalverteilt.
a) Beschreibe die Eigenschaften einer normalverteilten Zufallsgröße. Gehe dabei auch auf die Begriffe Erwartungswert und Standardabweichung ein.
Ein Mitarbeiter einer Fotoagentur geht durch eine Fußgängerzone und spricht Männer an, ob sie an einem Fotoshooting interessiert sind. Die ideale Körpergröße hierfür liegt zwischen \( 1{,}80\,\text{m} \) und \( 1{,}90\,\text{m} \). Die folgende Vierfeldertafel zeigt das Ergebnis seiner Befragung:
| Ideale Körpergröße | Keine ideale Körpergröße | Summe | |
|---|---|---|---|
| Interesse am Fotoshooting | 22 % | 19 % | |
| Kein Interesse am Fotoshooting | |||
| Summe | 37 % |
b) Erläutere die direkt aus dieser Vierfeldertafel ablesbaren Aussagen. Bestimme die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mann Interesse am Fotoshooting hat. Aus einer Gruppe mit Männern der idealen Körpergröße wird zufällig ein Mann ausgewählt. Berechne die Wahrscheinlichkeit dafür, dass dieser Mann kein Interesse am Fotoshooting hat.
c) Untersuche, ob die Ereignisse \( A \): „Interesse am Fotoshooting" und \( B \): „Ideale Körpergröße" stochastisch unabhängig sind.
In einer Gruppe von zehn Männern haben vier Männer ideale Körpergröße. Aus dieser Gruppe werden drei Männer zufällig ausgewählt.
d) Begründe, dass die Binomialverteilung für Überlegungen zur Anzahl der ausgewählten Männer mit idealer Körpergröße nicht geeignet ist. Bestimme die Wahrscheinlichkeit dafür, dass genau zwei der drei ausgewählten Männer ideale Körpergröße haben.