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Dies ist eine vollständige mündliche Beispielprüfung aus dem Abitur-Konvolut 2023: Teil 1 (Vortrag) aus der Analysis, Teil 2 (Gespräch) aus der Geometrie. Alles ist rechnerfrei zu lösen. Arbeitet die Aufgabe wie eine echte Simulation durch — eine Person trägt vor, die andere prüft mit dem Lösungsweg und dem Prüfer-Leitfaden am Ende mit.

Lesehilfe für die Detailkästen. Jeder Lösungsschritt hat darunter einen klappbaren Kasten „Haltung dahinter". Der erklärt den Schritt von Grund auf — so, als hätte man den Stoff lange nicht mehr gesehen. Jeder Fachbegriff wird beim ersten Auftauchen in einfachen Worten erklärt. Wer nur das Ergebnis braucht, lässt die Kästen zu; wer verstehen will, klappt sie auf.

Kurzanleitung für die abfragende Person (zuerst lesen)

Du musst den Stoff nicht selbst beherrschen, um diese Aufgabe abzunehmen. So gehst du vor:

  • Lass die andere Person nur die grauen Aufgabenkästen sehen und laut erklären.
  • Du hast den ausgeklappten Lösungsweg vor dir. Vergleiche nicht Wort für Wort — achte auf die fett markierten Kernschritte und die Ergebnisse.
  • Die „Haltung dahinter"-Kästen erklären dir jeden Schritt in Alltagssprache. Lies sie ruhig selbst mit — danach kannst du die Erklärung der anderen Person einordnen, auch ohne Vorwissen.
  • Am Ende findest du den Prüfer-Leitfaden: dort steht je Teilaufgabe in einem Satz, was eine gute Antwort enthält und welche Rückfrage du stellen kannst.
  • Grüne Markierung = Grundwissen (sollte sicher sitzen), gelbe = anspruchsvoller (Nachfragen ok).

Werkzeug zum Nachschlagen: Die wiederkehrenden Vektor- und Geometrie-Werkzeuge (Punkte, Vektoren, Länge, Skalarprodukt, Kreuzprodukt, Ebenengleichung, Pyramidenvolumen) stehen kompakt im Werkzeugkasten Geometrie. Die Analysis-Werkzeuge findest du in den Kapiteln Ableit-Handwerk, Integral-Grundlagen und Stammfunktion & Hauptsatz.


Teil 1 — Vortrag (Analysis): Funktionen zuordnen, Terme und Flächen

Die Abbildungen zeigen die Graphen einer ganzrationalen Funktion \( f \), einer trigonometrischen Funktion \( g \) und einer Exponentialfunktion \( h \).

a) Ordne die Funktionen \( f \), \( g \) und \( h \) den abgebildeten Graphen zu und begründe die Zuordnung.

b) Gib für einen der abgebildeten Graphen einen möglichen Funktionsterm an. Erkläre, wie du dabei vorgegangen bist.

c) Der Graph der ganzrationalen Funktion (Abbildung II) schließt mit der \( x \)-Achse eine Fläche ein. Beschreibe ein Verfahren, mit dem man den Inhalt dieser Fläche berechnen kann, und gib einen entsprechenden Rechenausdruck an.

d) Gegeben ist die Funktion \( i \) mit \( i(x) = -e^{-x} \). Berechne \( a \) so, dass \( \displaystyle\int_a^0 i(x)\,dx = -2 \) gilt. Bestimme außerdem eine nichtkonstante ganzrationale Funktion \( j \) und Werte für \( b \) und \( c \), sodass \( \displaystyle\int_b^c j(x)\,dx = -8 \) gilt.

Hier sind die drei Graphen. Spiele mit den Bildern und ordne sie zu, bevor du die Lösung aufklappst.

Abbildung I
Abbildung II
Abbildung III

Teilaufgabe a) — Zuordnung

AB I — Grundkompetenz

Lösung Schritt für Schritt anzeigen

Man ordnet über die typische Gestalt jeder Funktionsklasse zu:

  • \( h \) (Exponentialfunktion) → Abbildung I. Der Graph ist überall positiv, fällt von links nach rechts und nähert sich der \( x \)-Achse, ohne sie je zu erreichen.
  • \( f \) (ganzrationale Funktion) → Abbildung II. Der Graph hat mehrere Nullstellen, einen „Bauch" nach unten und einen nach oben und läuft an beiden Rändern ins Unendliche.
  • \( g \) (trigonometrische Funktion) → Abbildung III. Der Graph schwingt periodisch auf und ab, immer zwischen einem festen Größt- und Kleinstwert.
Haltung dahinter: Was ist überhaupt eine „Funktionsklasse", und woran erkenne ich sie?

Zuerst ganz langsam, was hier gefragt ist. Eine Funktion ist eine Rechenvorschrift: Man steckt eine Zahl \( x \) hinein und bekommt eine Zahl \( y \) heraus. Trägt man alle Paare \( (x \mid y) \) in ein Koordinatensystem ein, entsteht eine Linie — der Graph. Es gibt verschiedene „Sorten" von Rechenvorschriften, und jede Sorte erzeugt eine typische Form von Linie. Genau diese Formen soll man hier wiedererkennen. Die drei Sorten:

  • Ganzrationale Funktion (Polynom). Hier wird \( x \) nur mit sich selbst multipliziert und mit Zahlen verrechnet, z. B. \( x^2 \), \( x^3 \), \( 5x - 4 \). Die höchste Potenz heißt Grad. Solche Graphen sind „weiche" Kurven mit ein paar Hügeln und Tälern, die an den Rändern (ganz links und ganz rechts) immer steil nach oben oder unten weglaufen — sie „explodieren" nach außen. Ein \( x^3 \) hat bis zu drei Stellen, an denen er die \( x \)-Achse kreuzt (Nullstellen). Abbildung II hat genau diese Gestalt: mehrere Kreuzungen, ein Tal, ein Hügel, an den Rändern weg ins Unendliche.

  • Exponentialfunktion. Hier steht \( x \) oben im Exponenten, z. B. \( 2^x \) oder \( e^{x} \). Die Variable sitzt also „hochgestellt". Das Besondere: So eine Funktion ist (bei positivem Vorfaktor) immer positiv — der Graph bleibt komplett oberhalb der \( x \)-Achse und berührt sie nie. Auf der einen Seite schmiegt er sich ganz flach an die Achse an (kommt ihr beliebig nah, erreicht sie aber nie), auf der anderen Seite schießt er steil hoch. Abbildung I macht genau das: bleibt über der Achse, fällt nach rechts immer flacher, schießt nach links hoch.

  • Trigonometrische Funktion (Sinus/Kosinus). Diese Funktionen kommen vom Kreis und beschreiben Schwingungen. Ihr Kennzeichen: Der Graph wiederholt sich in immer gleichen Abständen — rauf, runter, rauf, runter, endlos, immer zwischen einem festen oberen und unteren Wert. Abbildung III ist diese Wellenlinie.

Drei Begriffe, die hier ständig vorkommen — kurz erklärt
  • Nullstelle: eine Stelle, an der der Graph die \( x \)-Achse kreuzt oder berührt, also wo der Funktionswert \( y = 0 \) ist. Anschaulich: „Wo schneidet die Linie die waagerechte Achse?"
  • Asymptote: eine Linie, der sich der Graph immer mehr annähert, ohne sie zu erreichen. Bei der e-Funktion ist die \( x \)-Achse so eine Annäherungslinie.
  • Periodisch: „sich in gleichen Abständen wiederholend". Wie die Wellen am Strand oder die Zeiger einer Uhr — nach einer festen Strecke sieht alles wieder genau gleich aus.

Teilaufgabe b) — Funktionsterm angeben

AB II — Standardanforderung

Lösung Schritt für Schritt anzeigen

Es genügt ein Graph. Am rundesten lässt sich die ganzrationale Funktion \( f \) (Abb. II) herleiten, weil man ihre Nullstellen ablesen kann.

Schritt 1 — Nullstellen ablesen. Der Graph schneidet die \( x \)-Achse bei \( x=-4 \), \( x=2 \) und \( x=3 \). Aus jeder Nullstelle wird ein Linearfaktor:

\[ k(x) = (x-2)(x-3)(x+4). \]

Schritt 2 — Streckung/Spiegelung bestimmen. Diese „nackte" Funktion \( k \) hat noch die falsche Höhe. Wir vergleichen an einer bequemen Stelle, etwa \( x=0 \): Aus dem Graphen liest man \( f(0) = -4 \) ab, und

\[ k(0) = (-2)\cdot(-3)\cdot 4 = 24. \]

Aus \( 24 \) soll \( -4 \) werden. Der Faktor dafür ist \( \dfrac{-4}{24} = -\dfrac16 \). Das Minus spiegelt an der \( x \)-Achse, der Betrag \( \tfrac16 \) staucht. Also

\[ f(x) = -\frac16\,(x-2)(x-3)(x+4). \]

Haltung dahinter: Warum macht eine Nullstelle einen „Faktor"? (ganz von vorn)

Das ist der Kern dieser Aufgabe, deshalb wirklich langsam.

Was ist ein Faktor? Wenn man Dinge multipliziert, heißt jedes der multiplizierten Stücke ein Faktor. In \( 3 \cdot 5 \) sind \( 3 \) und \( 5 \) die Faktoren. In \( (x-2)\cdot(x-3)\cdot(x+4) \) sind die drei Klammern die Faktoren.

Die eine Regel, auf der alles beruht — der „Satz vom Nullprodukt": Ein Produkt (eine Multiplikation) ist genau dann null, wenn mindestens einer der Faktoren null ist. Beispiel: \( 7 \cdot 0 \cdot 4 = 0 \) — sobald irgendwo eine Null mitmultipliziert wird, ist das ganze Ergebnis null. Umgekehrt: Wenn keiner der Faktoren null ist, kann das Produkt nicht null sein.

Wie hilft das beim Funktionsterm? Wir wissen aus dem Bild: Bei \( x = 2 \) ist der Funktionswert null (dort kreuzt der Graph die Achse). Damit unsere Formel an dieser Stelle wirklich null wird, bauen wir den Faktor \( (x-2) \) ein — denn setzt man \( x = 2 \) ein, wird \( (2-2) = 0 \), und nach der Regel oben ist dann das ganze Produkt null. Genauso:

  • Nullstelle bei \( x = 3 \) → Faktor \( (x-3) \), denn bei \( x=3 \) ist \( (3-3)=0 \).
  • Nullstelle bei \( x = -4 \) → Faktor \( (x+4) \), denn bei \( x=-4 \) ist \( (-4+4)=0 \).

Merkregel: Nullstelle bei \( x_0 \) → Faktor \( (x - x_0) \). Aufpassen beim Vorzeichen: Die Nullstelle \( -4 \) liefert \( (x-(-4)) = (x+4) \) — aus „minus minus vier" wird „plus vier".

Drei Nullstellen ergeben also drei Klammern, multipliziert. Weil man drei \( x \)-Klammern multipliziert, ist die höchste Potenz \( x^3 \) — ein Polynom dritten Grades, genau passend zur Form im Bild.

Schritt 2 ganz langsam: warum noch der Faktor \( -\tfrac16 \)?

Die drei Klammern sorgen für die richtigen Nullstellen — aber nicht automatisch für die richtige Höhe und nicht für die richtige Richtung (Bauch oben oder unten). Man stelle sich vor, der Graph wäre an einer Stelle „zu hoch" oder „auf dem Kopf". Das repariert ein einziger Vorfaktor vor der Klammer.

Den Vorfaktor findet man mit einem weiteren bekannten Punkt. Am bequemsten ist die Stelle \( x = 0 \), weil man dort sofort den Schnittpunkt mit der senkrechten \( y \)-Achse abliest: im Bild \( f(0) = -4 \).

Jetzt rechnet man aus, was die nackte Klammer-Funktion an \( x=0 \) liefert:

\[ k(0) = (0-2)\cdot(0-3)\cdot(0+4) = (-2)\cdot(-3)\cdot 4. \]

Minus mal minus ist plus: \( (-2)\cdot(-3) = 6 \), dann \( 6 \cdot 4 = 24 \). Die nackte Funktion ist an der Stelle also \( 24 \), wir brauchen aber \( -4 \). Welche Zahl macht aus \( 24 \) die \( -4 \)? Man teilt: \( \dfrac{-4}{24} = -\dfrac16 \). Dieser Faktor leistet zweierlei auf einmal:

  • Das Minuszeichen dreht den Graphen an der \( x \)-Achse um (aus „Bauch oben" wird „Bauch unten").
  • Der Bruch \( \tfrac16 \) drückt den Graphen flacher (staucht ihn in der Höhe).

Ergebnis: \( f(x) = -\tfrac16 (x-2)(x-3)(x+4) \). Probe: \( f(0) = -\tfrac16 \cdot 24 = -4 \) — passt zum Bild.

Typische Falle

Den Vorfaktor wegzulassen ist der häufigste Fehler. \( (x-2)(x-3)(x+4) \) allein hat zwar die richtigen Nullstellen, aber die falsche Höhe und die falsche Orientierung (Bauch oben statt unten). Ohne den Abgleich an einem Punkt ist die Lösung unvollständig — in der mündlichen Prüfung würde man hier nachgefragt.

Zur Vollständigkeit die Terme der beiden anderen Graphen (jeweils aus einer Grundfunktion erzeugt):

  • \( g(x) = -2\sin(x) + 1 \) — \( \sin(x) \) an der \( x \)-Achse gespiegelt (Minus), um den Faktor \( 2 \) in \( y \)-Richtung gestreckt, um \( 1 \) nach oben verschoben.
  • \( h(x) = 2\,e^{-x} \) — \( e^{x} \) an der \( y \)-Achse gespiegelt (\( -x \) im Exponenten), um den Faktor \( 2 \) in \( y \)-Richtung gestreckt.
Haltung dahinter: Was bedeuten „spiegeln", „strecken", „verschieben" am Graphen?

Man muss diese Terme nicht herleiten — aber es hilft zu wissen, wie aus einer einfachen Grundfunktion durch kleine Eingriffe eine neue wird. Es gibt vier typische Eingriffe:

  • Vor die Funktion ein Minus (z. B. \( -\sin x \)): Spiegelung an der \( x \)-Achse — der Graph wird nach unten geklappt, jeder Punkt oben wird gleich weit nach unten gesetzt.
  • Ein Faktor vor der Funktion (z. B. \( 2\sin x \)): Streckung in die Höhe — alle Werte werden verdoppelt, die Wellen werden doppelt so hoch.
  • Eine Zahl dazuaddiert (z. B. \( \sin x + 1 \)): Verschiebung nach oben — der ganze Graph rutscht um \( 1 \) hoch.
  • Ein Minus beim \( x \) im Inneren (z. B. \( e^{-x} \)): Spiegelung an der senkrechten \( y \)-Achse — links und rechts werden vertauscht. Deshalb fällt \( e^{-x} \) nach rechts, während \( e^{x} \) nach rechts steigt.

So liest man \( g(x) = -2\sin(x)+1 \): nimm die Sinuswelle, klapp sie nach unten (Minus), mach sie doppelt so hoch (Faktor 2), schieb sie um 1 nach oben (+1).

Teilaufgabe c) — Flächeninhalt: Verfahren und Rechenausdruck

AB II — Standardanforderung

Lösung Schritt für Schritt anzeigen

Der Graph von \( f \) schließt mit der \( x \)-Achse zwei Teilflächen ein — eine unterhalb der Achse (zwischen \( x=-4 \) und \( x=2 \)) und eine oberhalb (zwischen \( x=2 \) und \( x=3 \)). Das Verfahren in drei Schritten:

  1. Nullstellen bestimmen — sie sind die Grenzen der Teilflächen: \( x=-4,\ 2,\ 3 \).
  2. Teilflächen einzeln über Integrale berechnen. Ein Integral liefert den orientierten Flächeninhalt; was unterhalb der Achse liegt, kommt negativ heraus. Damit beide Beiträge positiv in die Fläche eingehen, dreht man das Vorzeichen des unteren Stücks um.
  3. Beträge addieren.

Als Rechenausdruck:

\[ A = -\int_{-4}^{2} f(x)\,dx \;+\; \int_{2}^{3} f(x)\,dx. \]

Haltung dahinter: Was ist ein Integral, und warum kann eine Fläche „negativ" werden?

Langsam von vorn. Ein Integral \( \int_a^b f(x)\,dx \) ist eine Maschine, die die Fläche zwischen dem Graphen und der \( x \)-Achse zwischen zwei senkrechten Grenzen \( a \) (links) und \( b \) (rechts) zusammenrechnet. Man kann es sich als „unendlich viele hauchdünne senkrechte Streifen unter der Kurve, alle aufaddiert" vorstellen.

Der Haken: Das Integral zählt Fläche mit Vorzeichen — man nennt das orientierten Flächeninhalt.

  • Liegt der Graph über der \( x \)-Achse, sind die Streifen „positiv hoch" → das Integral wird positiv.
  • Liegt der Graph unter der \( x \)-Achse, zeigen die Streifen nach unten → sie zählen negativ.

Ein gutes Bild ist ein Bankkonto: Fläche über der Achse = Einzahlungen (+), Fläche unter der Achse = Abhebungen (−). Das Integral nennt am Ende nur den Kontostand, also die Differenz — nicht die Summe der bewegten Beträge.

Für einen echten Flächeninhalt (ein Stück Papier, das man ausschneiden und wiegen könnte) will man aber, dass jedes Stück positiv zählt. Deshalb:

  1. An jeder Nullstelle trennen (dort wechselt der Graph die Seite).
  2. Jedes Teilstück einzeln integrieren.
  3. Von jedem Teilstück den Betrag nehmen (das Minuszeichen vor dem unteren Stück macht genau das) und alles addieren.

Hier liegt der Graph zwischen \( -4 \) und \( 2 \) unter der Achse — deshalb das Minus vor diesem Integral, das den negativen Wert ins Positive dreht. Zwischen \( 2 \) und \( 3 \) liegt er über der Achse — dieses Integral ist schon positiv und bleibt, wie es ist.

Typische Falle: alles in einem Integral

Wer einfach \( \int_{-4}^{3} f(x)\,dx \) bildet (ohne zu trennen), bekommt nur den „Kontostand": Der negative Teil unter der Achse frisst den positiven Teil teilweise auf. Das ist nicht der Flächeninhalt. Man muss an jeder Nullstelle trennen und mit Beträgen arbeiten — das ist die häufigste Fehlerquelle bei Flächenaufgaben.

Woher weiß ich, welches Stück unter der Achse liegt?

Man setzt einen einzigen Probe-\( x \)-Wert aus dem Inneren des Stücks in \( f \) ein und schaut auf das Vorzeichen. Zwischen \( -4 \) und \( 2 \) z. B. \( x=0 \): \( f(0) = -4 \) (negativ) → Stück liegt unter der Achse → Minus davor. Zwischen \( 2 \) und \( 3 \) z. B. \( x=2{,}5 \): \( f(2{,}5) \gt 0 \) → über der Achse → bleibt positiv. Ein einziger Testwert pro Stück genügt.

In der mündlichen Prüfung ist hier ausdrücklich nur das Verfahren + der Ausdruck verlangt — das mühsame Ausrechnen der Stammfunktion entfällt.

Teilaufgabe d) — Integralgleichungen lösen

AB II / AB III

Lösung Schritt für Schritt anzeigen

Teil 1: \( a \) bestimmen mit \( \displaystyle\int_a^0 -e^{-x}\,dx = -2 \).

Zuerst eine Stammfunktion von \( i(x) = -e^{-x} \). Wegen \( \dfrac{d}{dx}\,e^{-x} = -e^{-x} \) ist

\[ I(x) = e^{-x} \quad\text{eine Stammfunktion von } -e^{-x}. \]

Mit dem Hauptsatz:

\[ \int_a^0 -e^{-x}\,dx = \big[\,e^{-x}\,\big]_a^0 = e^{0} - e^{-a} = 1 - e^{-a}. \]

Das setzen wir gleich \( -2 \) und lösen nach \( a \):

\[ 1 - e^{-a} = -2 \;\;\Longrightarrow\;\; e^{-a} = 3 \;\;\Longrightarrow\;\; -a = \ln 3 \;\;\Longrightarrow\;\; a = -\ln 3. \]

Haltung dahinter: Was ist eine „Stammfunktion", und wie kommt man auf sie? (ganz von vorn)

Drei Begriffe der Reihe nach.

Ableiten misst die Steigung eines Graphen — wie stark er an einer Stelle steigt oder fällt. Aus einer Funktion \( f \) macht man ihre Ableitung \( f' \).

Eine Stammfunktion ist das Ableiten rückwärts. Gesucht ist eine Funktion \( I \), deren Ableitung wieder unser \( i \) ergibt: \( I' = i \). Man „un-leitet" also ab. Das braucht man, weil Integrale (Flächen) über Stammfunktionen berechnet werden.

Warum ist \( e^{-x} \) eine Stammfunktion von \( -e^{-x} \)? Wir prüfen es, indem wir \( e^{-x} \) ableiten und schauen, ob \( -e^{-x} \) herauskommt. Dafür braucht man die Kettenregel (siehe nächster Kasten). Sie liefert \( (e^{-x})' = -e^{-x} \). Genau unser \( i \) — also stimmt es. Probe durch Ableiten ist hier der sicherste Weg: Wenn das Rückwärts-Ergebnis vorwärts wieder zum Start führt, war es richtig.

Die Kettenregel — wozu, und wie hier?

Die Kettenregel braucht man, wenn eine Funktion „in einer anderen steckt" — hier steckt das \( -x \) im Exponenten der e-Funktion. Bild: eine äußere Funktion (das \( e^{(\text{Kasten})} \)) und eine innere Funktion (der Kasten \( = -x \)). Die Regel sagt: Leite außen ab und multipliziere mit der Ableitung des Inneren.

  • Äußere Ableitung: \( e^{(\text{Kasten})} \) bleibt beim Ableiten \( e^{(\text{Kasten})} \) — das ist die berühmte Besonderheit der e-Funktion.
  • Innere Ableitung: der Kasten ist \( -x \); seine Ableitung ist \( -1 \).
  • Multipliziert: \( e^{-x}\cdot(-1) = -e^{-x} \).

Deshalb \( (e^{-x})' = -e^{-x} \). (Ausführlich: Ableit-Handwerk.)

Warum darf man am Ende den \( \ln \) nehmen?

In der Gleichung \( e^{-a} = 3 \) steht das gesuchte \( a \) oben im Exponenten. Um es herunterzuholen, braucht man die Umkehrung der e-Funktion — und das ist der natürliche Logarithmus \( \ln \). „Umkehrung" heißt: \( \ln \) macht genau das rückgängig, was \( e^{(\cdot)} \) tut, so wie Minus das Plus rückgängig macht. Wendet man auf beiden Seiten \( \ln \) an, wird aus \( e^{-a} = 3 \) die Gleichung \( -a = \ln 3 \), also \( a = -\ln 3 \). (Mehr dazu: Grundfunktionen.)

Teil 2: ganzrationale Funktion \( j \) mit \( \displaystyle\int_b^c j(x)\,dx = -8 \).

Hier ist ein passendes Beispiel gesucht, nicht die Lösung. Am einfachsten wählt man \( j(x) = -x \) und integriert von \( 0 \) bis \( 4 \):

\[ \int_0^4 -x\,dx = \Big[\,-\tfrac12 x^2\,\Big]_0^4 = -\tfrac12\cdot 16 - 0 = -8. \quad\checkmark \]

Also etwa \( j(x) = -x,\ b=0,\ c=4 \).

Haltung dahinter: „bestimme eine Funktion, sodass…" — wie geht man an so eine offene Aufgabe?

Bei einer offenen Aufgabe ist nicht eine Lösung gemeint, sondern irgendeine, die die Bedingung erfüllt. Das ist eine Erleichterung: Man darf sich die einfachste Funktion bauen, die passt.

Überlegung: Wir brauchen eine negative Fläche (\( -8 \)). Eine Gerade, die durch den Ursprung geht und nach rechts fällt — also \( j(x) = -x \) — liegt rechts von \( 0 \) komplett unter der Achse und erzeugt dort eine negative Fläche. Jetzt muss man nur noch die rechte Grenze \( c \) so wählen, dass genau \( -8 \) herauskommt; \( c=4 \) trifft es exakt.

Sicherer Reflex: durch Einsetzen gegenprüfen (das \( \checkmark \) oben). Man rechnet das Integral mit den gewählten Werten aus und schaut, ob wirklich \( -8 \) herauskommt. Andere Lösungen sind genauso richtig — z. B. \( j(x)=-2x,\ b=0,\ c=\sqrt{8} \). Wichtig nur: \( j \) darf nicht konstant sein (eine waagerechte Gerade), denn das war ausdrücklich gefordert; deshalb ist \( j(x)=-x \) die saubere Wahl. (Stammfunktion-Regeln: Stammfunktion & Hauptsatz.)

Kurz-Spickzettel Teil 1 (erst nach dem eigenen Versuch aufklappen)
  • a) \( f\to \)II (ganzrational), \( g\to \)III (trigonometrisch), \( h\to \)I (exponentiell)
  • b) \( f(x) = -\tfrac16(x-2)(x-3)(x+4) \); \( g(x)=-2\sin x+1 \); \( h(x)=2e^{-x} \)
  • c) \( A = -\int_{-4}^{2} f\,dx + \int_{2}^{3} f\,dx \) (an Nullstellen trennen, Beträge addieren)
  • d) \( a=-\ln 3 \); Beispiel \( j(x)=-x,\ b=0,\ c=4 \)

Teil 2 — Gespräch (Geometrie): Pyramide mit Lichtquelle

Input. Eine senkrechte Pyramide mit quadratischer Grundfläche hat die Höhe \( 4 \). Die Eckpunkte der Grundfläche sind \( A(0\,|\,0\,|\,0) \), \( B(3\,|\,0\,|\,0) \), \( C(3\,|\,3\,|\,0) \), \( D(0\,|\,3\,|\,0) \); die Spitze heißt \( S \). Im Punkt \( L \) befindet sich eine punktförmige Lichtquelle.

Im Gespräch denkbare Aspekte: (AB I) Koordinaten von \( S \), Pyramidenvolumen, Koordinatengleichung einer Seitenfläche. (AB II) Gleichschenkligkeit eines Seitendreiecks, Verfahren für die Oberfläche, Formel für den Winkel zwischen Grund- und Seitenfläche. (AB III) Ebenen, die die Pyramide in zwei volumengleiche Teile zerlegen; Prüfung, ob ein Punkt im Inneren liegt; Untersuchung eines Schattenwurfs.

Vorab, in einem Satz, was ein Koordinatensystem im Raum ist: Statt nur „rechts/links" und „oben/unten" (zwei Zahlen) braucht man im Raum drei Zahlen pro Punkt — \( (x_1 \mid x_2 \mid x_3) \) —, weil es zusätzlich „vorne/hinten" gibt. Ein Punkt wie \( B(3\,|\,0\,|\,0) \) heißt: 3 Schritte in \( x_1 \)-Richtung, 0 in \( x_2 \), 0 in \( x_3 \). Alle Vektor-Werkzeuge stehen kompakt im Werkzeugkasten Geometrie.

So liegt die Pyramide im Koordinatensystem (schematische Darstellung):

x₃ x₂ x₁ M (Mitte), Höhe 4 A(0|0|0) B(3|0|0) C(3|3|0) D(0|3|0) S(1,5|1,5|4) L (Lichtquelle)
Schematisches Schrägbild — die Spitze \( S \) liegt senkrecht über der Mitte \( M \) der Grundfläche.

AB I — Koordinaten von \( S \), Volumen, Seitenfläche

AB I — Grundkompetenz

Lösung Schritt für Schritt anzeigen

Koordinaten der Spitze \( S \). „Senkrechte Pyramide" heißt: Die Spitze liegt lotrecht über dem Mittelpunkt der Grundfläche. Der Mittelpunkt \( M \) des Quadrats ist der Durchschnitt der gegenüberliegenden Ecken:

\[ M = \tfrac12\big(A + C\big) = \tfrac12\big((0,0,0)+(3,3,0)\big) = (1{,}5\,|\,1{,}5\,|\,0). \]

Die Höhe \( 4 \) wird in \( x_3 \)-Richtung aufgesetzt:

\[ S = (1{,}5\,|\,1{,}5\,|\,4). \]

Pyramidenvolumen mit \( V = \tfrac13\cdot G\cdot h \). Die Grundfläche ist ein Quadrat mit Seitenlänge \( 3 \), also \( G = 3\cdot 3 = 9 \), und \( h=4 \):

\[ V = \tfrac13\cdot 9\cdot 4 = 12. \]

Koordinatengleichung einer Seitenfläche (Beispiel: die Fläche durch \( B,\,C,\,S \)). Man braucht einen Normalenvektor \( \vec n \), der auf zwei Kantenvektoren der Fläche senkrecht steht:

\[ \overrightarrow{BC} = \begin{pmatrix}0\\3\\0\end{pmatrix},\qquad \overrightarrow{BS} = \begin{pmatrix}-1{,}5\\1{,}5\\4\end{pmatrix}. \]

Das Kreuzprodukt liefert \( \vec n \):

\[ \vec n = \overrightarrow{BC}\times\overrightarrow{BS} = \begin{pmatrix}3\cdot4 - 0\cdot1{,}5\\ 0\cdot(-1{,}5)-0\cdot4\\ 0\cdot1{,}5-3\cdot(-1{,}5)\end{pmatrix} = \begin{pmatrix}12\\0\\4{,}5\end{pmatrix} \;\parallel\; \begin{pmatrix}8\\0\\3\end{pmatrix}. \]

Einsetzen des Punktes \( B(3|0|0) \) bestimmt die rechte Seite: \( 8\cdot3 + 3\cdot0 = 24 \). Also

\[ E_{BCS}:\quad 8x_1 + 3x_3 = 24. \]

Haltung dahinter: Was sind Vektor, Ebene und Normalenvektor? (ganz von vorn)

Schritt für Schritt, ohne Vorwissen.

Punkt und Vektor. Ein Punkt ist ein Ort im Raum, angegeben durch drei Zahlen \( (x_1\mid x_2\mid x_3) \). Ein Vektor ist ein Pfeil — eine Bewegung von einem Punkt zu einem anderen, mit Richtung und Länge. Den Pfeil vom Punkt \( B \) zum Punkt \( C \) schreibt man \( \overrightarrow{BC} \) und rechnet ihn als „Ziel minus Start" aus: \( C - B \). Beispiel: \( \overrightarrow{BC} = (3,3,0) - (3,0,0) = (0,3,0) \) — also „3 Schritte in \( x_2 \)-Richtung".

Ebene. Eine Ebene ist eine vollkommen flache, unendlich ausgedehnte Fläche (wie eine unendliche Tischplatte). Eine Seitenfläche der Pyramide liegt in so einer Ebene. Eine Koordinatengleichung der Ebene ist eine Regel der Form \( n_1 x_1 + n_2 x_2 + n_3 x_3 = d \), die genau die Punkte beschreibt, die auf der Ebene liegen — setzt man einen Ebenenpunkt ein, stimmt die Gleichung; setzt man einen Punkt daneben ein, stimmt sie nicht.

Normalenvektor. Das ist ein Pfeil, der senkrecht auf der Ebene steht — wie ein Fahnenmast, der gerade aus dem Boden ragt. Sein Nutzen: Die drei Zahlen des Normalenvektors sind genau die Koeffizienten \( n_1, n_2, n_3 \) in der Ebenengleichung. Kennt man den Normalenvektor und einen Punkt der Ebene, hat man die ganze Gleichung.

Wieso liefert das „Kreuzprodukt" einen senkrechten Pfeil?

Das Kreuzprodukt zweier Vektoren ist eine feste Rechenvorschrift, die als Ergebnis einen neuen Pfeil liefert, der auf beiden Ausgangspfeilen senkrecht steht. Genau das brauchen wir: Wir nehmen zwei Pfeile, die in der Seitenfläche liegen (\( \overrightarrow{BC} \) und \( \overrightarrow{BS} \)), und das Kreuzprodukt gibt uns automatisch einen Pfeil senkrecht zur Fläche — den Normalenvektor. Das Rechenschema (welche Zahlen man wie multipliziert und subtrahiert) steht im Werkzeugkasten Geometrie.

Dass man am Ende \( (12,0,4{,}5) \) auf \( (8,0,3) \) kürzt, ändert nur die Länge des Pfeils, nicht seine Richtung — und nur die Richtung zählt für die Ebene. Kürzen macht die Zahlen handlicher.

Probe: so prüfst du eine Ebenengleichung sofort

Eine Ebenengleichung ist richtig, wenn alle drei definierenden Punkte sie erfüllen. Einsetzen: \( C(3|3|0): 8\cdot3+3\cdot0 = 24 \) ✓; \( S(1{,}5|1{,}5|4): 8\cdot1{,}5 + 3\cdot4 = 12+12 = 24 \) ✓. Dass \( x_2 \) in der Gleichung fehlt, ist kein Fehler: Die Fläche \( BCS \) ist parallel zur \( x_2 \)-Achse, deshalb taucht \( x_2 \) nicht auf. Diese Punktprobe ist deine schnelle Selbstkontrolle.

Haltung dahinter: Warum liegt \( S \) über dem Mittelpunkt, und woher die Volumenformel?

„Senkrechte" Pyramide. Stell dir einen Zeltmast vor, der genau in der Mitte des quadratischen Zeltbodens gerade nach oben steht. Die Zeltspitze ist dann lotrecht über der Bodenmitte. Genau das meint „senkrechte Pyramide". Deshalb hat \( S \) dieselben \( x_1 \)- und \( x_2 \)-Werte wie die Mitte \( M \) (nämlich \( 1{,}5 \) und \( 1{,}5 \)) und obendrauf die Höhe \( 4 \) in \( x_3 \)-Richtung.

Mittelpunkt als Durchschnitt. Den Mittelpunkt einer Strecke findet man, indem man die beiden Endpunkte addiert und halbiert (der „Durchschnitt" zweier Orte liegt genau dazwischen). Beim Quadrat nimmt man zwei gegenüberliegende Ecken, hier \( A \) und \( C \): \( \tfrac12(A+C) \).

Volumenformel \( V=\tfrac13\,G\,h \). Eine Pyramide füllt genau ein Drittel des Quaders (der „Schachtel") aus, der dieselbe Grundfläche \( G \) und dieselbe Höhe \( h \) hat. Daher das \( \tfrac13 \). Hier: Grundfläche \( G = 3\cdot 3 = 9 \) (Quadrat mit Seite 3), Höhe \( h=4 \), also \( V = \tfrac13 \cdot 9 \cdot 4 = 12 \).

AB II — Gleichschenkligkeit, Oberfläche, Neigungswinkel

AB II — Standardanforderung

Lösung Schritt für Schritt anzeigen

Gleichschenkligkeit eines Seitendreiecks (z. B. \( BCS \)). Wir vergleichen die beiden Schenkellängen \( |\overline{SB}| \) und \( |\overline{SC}| \):

\[ \overrightarrow{SB} = \begin{pmatrix}1{,}5\\-1{,}5\\-4\end{pmatrix},\quad |\overline{SB}| = \sqrt{1{,}5^2+1{,}5^2+4^2} = \sqrt{20{,}5}; \] \[ \overrightarrow{SC} = \begin{pmatrix}1{,}5\\1{,}5\\-4\end{pmatrix},\quad |\overline{SC}| = \sqrt{1{,}5^2+1{,}5^2+4^2} = \sqrt{20{,}5}. \]

Beide sind gleich lang, also ist das Dreieck \( BCS \) gleichschenklig (Spitze \( S \)).

Haltung dahinter: Was heißt „gleichschenklig", und wie misst man eine Länge im Raum?

Gleichschenklig heißt: Ein Dreieck hat zwei gleich lange Seiten (die „Schenkel"). Es genügt also zu zeigen, dass zwei Seiten dieselbe Länge haben.

Länge eines Pfeils im Raum. Die Länge \( |\overrightarrow{SB}| \) eines Vektors ist der Abstand zwischen Start und Ziel. Man bekommt sie mit dem Satz des Pythagoras, nur in drei Dimensionen: Man quadriert jede der drei Zahlen, addiert sie und zieht die Wurzel:

\[ |\;(a,b,c)\;| = \sqrt{a^2+b^2+c^2}. \]

Für \( \overrightarrow{SB} = (1{,}5,\,-1{,}5,\,-4) \): \( 1{,}5^2 = 2{,}25 \), \( (-1{,}5)^2 = 2{,}25 \) (Minus mal Minus wird Plus!), \( (-4)^2 = 16 \). Summe \( 2{,}25+2{,}25+16 = 20{,}5 \), also Länge \( \sqrt{20{,}5} \). Für \( \overrightarrow{SC} \) kommt durch das gleiche Rechnen exakt dasselbe heraus — die beiden Seiten sind gleich lang.

Warum sind sogar alle vier Seitenkanten gleich lang?

Weil die Spitze senkrecht über dem Mittelpunkt sitzt, ist sie von allen vier Eckpunkten gleich weit entfernt — wie der Mittelpunkt eines Kreises von allen Randpunkten. Die vier Seitenkanten \( SA, SB, SC, SD \) sind deshalb alle gleich lang. Damit ist jedes der vier Seitendreiecke gleichschenklig, und die ganze Pyramide ist gleichmäßig um ihre Höhe gebaut. Das darf man im Gespräch so begründen — oft schneller als das Nachrechnen.

Verfahren für die Oberfläche. Die Oberfläche besteht aus der quadratischen Grundfläche und vier kongruenten (deckungsgleichen) Seitendreiecken:

\[ O = G + 4\cdot A_{\triangle}. \]

Für ein Seitendreieck braucht man die Höhe des Dreiecks \( h_s \) (von \( S \) auf die Mitte einer Grundkante). Mitte von \( BC \) ist \( M_{BC}(3\,|\,1{,}5\,|\,0) \), und

\[ h_s = |\overline{S\,M_{BC}}| = \sqrt{(3-1{,}5)^2 + 0^2 + 4^2} = \sqrt{1{,}5^2+4^2} = \sqrt{18{,}25}. \]

Damit \( A_{\triangle} = \tfrac12\cdot 3\cdot \sqrt{18{,}25} \) und

\[ O = 9 + 4\cdot\tfrac12\cdot 3\cdot \sqrt{18{,}25} = 9 + 6\sqrt{18{,}25}. \]

Haltung dahinter: Warum diese Bausteine für die Oberfläche?

Die Oberfläche ist die Summe aller Flächen, die den Körper „außen" begrenzen — wie viel Papier man bräuchte, um die Pyramide einzupacken. Eine quadratische Pyramide hat fünf Außenflächen: unten das Quadrat (Grundfläche \( G \)) und ringsum vier gleiche Dreiecke.

Die Fläche eines Dreiecks ist \( \tfrac12 \cdot \text{Grundseite} \cdot \text{Höhe} \). Die Grundseite ist eine Quadratkante (\( =3 \)). Die Höhe des Dreiecks \( h_s \) ist nicht die Pyramidenhöhe, sondern die Strecke von der Spitze \( S \) senkrecht hinunter zur Mitte der Grundkante. Diese misst man wieder als Pfeillänge (Pythagoras): von \( S(1{,}5|1{,}5|4) \) zur Kantenmitte \( M_{BC}(3|1{,}5|0) \) ergibt \( \sqrt{18{,}25} \). Vier solche Dreiecke plus das Quadrat ergeben \( O = 9 + 6\sqrt{18{,}25} \).

Winkel zwischen Grund- und Seitenfläche. Anschaulich über das rechtwinklige Dreieck aus Pyramidenhöhe \( h=4 \) (senkrecht) und dem halben Grundkanten-Abstand vom Mittelpunkt \( \tfrac{3}{2}=1{,}5 \) (waagerecht). Der Neigungswinkel \( \varphi \) erfüllt

\[ \tan\varphi = \frac{h}{1{,}5} = \frac{4}{1{,}5} = \frac{8}{3}\;\;\Longrightarrow\;\; \varphi = \arctan\!\frac{8}{3} \approx 69{,}4^\circ. \]

Haltung dahinter: Was ist der „Tangens", und woher kommt das rechtwinklige Dreieck?

Winkel zwischen zwei Flächen misst man dort, wo sie zusammenstoßen — wie weit man die eine Fläche „aufklappen" muss, um zur anderen zu kommen (wie der Öffnungswinkel eines Buchdeckels gegen den Tisch).

Man baut sich ein passendes rechtwinkliges Dreieck: Lote von der Spitze \( S \) senkrecht hinunter zum Grundflächen-Mittelpunkt \( M \) (das ist die Pyramidenhöhe \( h=4 \)) und von \( M \) waagerecht zur Mitte einer Grundkante (Strecke \( 1{,}5 \)). Diese beiden stehen senkrecht aufeinander; die schräge Seitenfläche schließt mit dem Boden genau den Winkel \( \varphi \) an dieser Ecke ein.

Tangens. In einem rechtwinkligen Dreieck verbindet der Tangens den Winkel mit zwei Seiten: \( \tan(\text{Winkel}) = \dfrac{\text{Gegenkathete}}{\text{Ankathete}} \) — also „gegenüberliegende Seite geteilt durch anliegende Seite". Hier ist die Höhe \( 4 \) gegenüber dem Winkel, die Strecke \( 1{,}5 \) liegt am Winkel an: \( \tan\varphi = \tfrac{4}{1{,}5} = \tfrac{8}{3} \). Den Winkel selbst holt man mit der Umkehrung \( \arctan \) (auf dem Rechner „\( \tan^{-1} \)") zurück: \( \varphi \approx 69{,}4^\circ \). (In der hilfsmittelfreien Prüfung genügt es, \( \tan\varphi = \tfrac{8}{3} \) anzugeben und zu erklären — der Zahlenwert ist Nebensache.)

AB III — Halbierung, Innen-Test, Schattenwurf

AB III — vertiefte Vernetzung

Lösung / Verfahren anzeigen

Diese Aspekte verlangen vor allem beschreiben und begründen, nicht langes Rechnen.

Ebenen, die das Volumen halbieren. Jede Ebene, die durch die Spitze \( S \) und durch den Mittelpunkt \( M \) der Grundfläche geht (also die Höhe enthält) und die Grundfläche in zwei flächengleiche Hälften schneidet, zerlegt die Pyramide in zwei volumengleiche Teile — z. B. die Ebene durch \( S \) und die Mitten zweier gegenüberliegender Grundkanten oder die Ebene durch \( S \) und eine Diagonale der Grundfläche.

Liegt ein Punkt \( P \) im Inneren? Man beschreibt die Pyramide durch ihre begrenzenden Ebenen (Grundfläche + vier Seitenflächen). \( P \) liegt im Inneren, wenn er bei jeder dieser Ebenen auf derselben Seite liegt wie das Pyramideninnere. Das prüft man, indem man \( P \) in jede Ebenengleichung einsetzt und das Vorzeichen mit dem eines bekannten Innenpunkts (etwa \( M \)) vergleicht.

Schattenwurf. Die punktförmige Lichtquelle \( L \) wirft den Schatten als Zentralprojektion auf die Grundebene (\( x_3=0 \)): Für die Spitze \( S \) bildet man die Gerade durch \( L \) und \( S \) und bestimmt deren Durchstoßpunkt mit der Ebene \( x_3=0 \). Dieser Durchstoßpunkt ist der Schatten von \( S \).

Haltung dahinter: die drei Ideen in Alltagssprache
  • Halbieren. Eine Ebene, die durch die Spitze und die Bodenmitte geht, schneidet die Pyramide symmetrisch durch — beide Hälften haben dieselbe Höhe und gleich große Grundstücke, also nach \( V=\tfrac13 G h \) dasselbe Volumen. Bild: einen quadratischen Pudding mittig senkrecht durchschneiden — beide Stücke gleich groß.
  • Innen oder außen? Eine Fläche teilt den Raum in zwei Seiten. Setzt man einen Punkt in die Ebenengleichung ein, verrät das Vorzeichen (plus oder minus, größer oder kleiner als \( d \)), auf welcher Seite er liegt. Ein Punkt ist im Inneren, wenn er bei allen fünf Begrenzungsflächen auf derselben Seite liegt wie ein sicher innen liegender Vergleichspunkt.
  • Schatten. Licht von einem Punkt strahlt geradlinig. Der Schatten eines Eckpunkts liegt dort, wo der Lichtstrahl von \( L \) durch diesen Eckpunkt auf den Boden trifft. Mathematisch: Gerade durch \( L \) und den Punkt, dann Schnittpunkt mit dem Boden \( x_3=0 \).
Hinweis: ohne konkrete Koordinaten von \( L \) bleibt es beim Verfahren

Das Aufgabenbeispiel gibt \( L \) nur als Lage im Bild an, ohne Zahlenwerte. Deshalb ist hier nur das Vorgehen zu beschreiben. Sobald \( L \) mit Koordinaten gegeben wäre, etwa \( L(l_1|l_2|l_3) \), setzt man \( \vec x = L + t\,(S-L) \), löst die dritte Zeile \( l_3 + t\,(4-l_3) = 0 \) nach \( t \) auf und setzt \( t \) in die ersten beiden Zeilen ein — das liefert den Schattenpunkt von \( S \).


Prüfer-Leitfaden (für die abfragende Person)

Hier steht je Teilaufgabe, was eine gute Antwort enthält und welche Rückfrage du stellen kannst. Du musst nichts selbst rechnen — achte auf die genannten Stichworte.

Leitfaden Teil 1 (Analysis) aufklappen
  • a) Zuordnung. Gut ist jede Antwort, die die Klassen an ihrer Gestalt festmacht: e-Funktion = „bleibt positiv, nähert sich der Achse"; Polynom = „Nullstellen, läuft ins Unendliche"; trig = „schwingt periodisch". Rückfrage, falls nur zugeordnet ohne Begründung: „Woran genau erkennen Sie die Exponentialfunktion?"
  • b) Funktionsterm. Erwartet: Nullstellen ablesen → Linearfaktoren, dann ein Punkt (meist \( f(0) \)) für den Vorfaktor; Ergebnis \( f(x)=-\tfrac16(x-2)(x-3)(x+4) \). Rückfrage: „Warum brauchen Sie überhaupt noch den Faktor \( -\tfrac16 \)?" (Antwort: richtige Höhe und Spiegelung.)
  • c) Fläche. Erwartet: an den Nullstellen trennen, Beträge addieren, Minus vor dem Stück unter der Achse. Rote Flagge: ein einziges Integral \( \int_{-4}^{3} \) ohne Trennen. Rückfrage: „Was misst ein Integral, wenn der Graph unter der Achse liegt?"
  • d) Integralgleichungen. Erwartet: Stammfunktion \( e^{-x} \), sauberes Auflösen mit \( \ln \) → \( a=-\ln 3 \); beim zweiten Teil irgendein passendes Beispiel mit Probe. Rückfrage: „Können Sie Ihr \( j \) durch Einsetzen bestätigen?"
Leitfaden Teil 2 (Geometrie) aufklappen
  • \( S \), Volumen, Seitenfläche. Erwartet: \( S \) über Mittelpunkt + Höhe \( (1{,}5|1{,}5|4) \); \( V=\tfrac13\cdot9\cdot4=12 \); Ebene über Normalenvektor (Kreuzprodukt)
    • Punktprobe. Rückfrage: „Warum liegt \( S \) genau über dem Mittelpunkt?" (Antwort: „senkrechte" Pyramide.)
  • Gleichschenkligkeit / Oberfläche / Winkel. Erwartet: zwei Kantenlängen gleich (\( \sqrt{20{,}5} \)); Oberfläche = Quadrat + 4 Dreiecke; Winkel über das rechtwinklige Dreieck Höhe/\( 1{,}5 \), \( \tan\varphi=\tfrac{8}{3} \). Rückfrage: „Welches kleine Dreieck benutzen Sie für den Neigungswinkel?"
  • AB III. Hier zählt sauberes Erklären: Halbierung durch eine Ebene durch die Höhe; Innen-Test über Vorzeichen in allen Begrenzungsebenen; Schatten als Gerade \( LS \) ∩ Grundebene. Hinweis für dich: Für den Schatten fehlen Zahlen zu \( L \) — ein beschriebenes Verfahren ist hier die volle Antwort.

Selbstcheck: Kannst du es mündlich erklären?

Sprich diese Punkte einmal frei und laut durch, ohne in die Lösung zu schauen:

  • Woran erkennst du in einem Satz, ob ein Graph exponentiell, ganzrational oder trigonometrisch ist?
  • Wie kommst du von den Nullstellen eines Graphen zu seinem Funktionsterm — und was fehlt dann noch?
  • Warum musst du bei der Fläche an den Nullstellen trennen?
  • Wie bestimmst du die Spitze \( S \) einer senkrechten Pyramide, und warum?
  • Welches rechtwinklige Dreieck liefert den Winkel zwischen Grund- und Seitenfläche?
Build 5169faf · 2026-06-27T18:41:29Z · Provenance: DLG-2026-06-17-B61, DLG-2026-06-18-B62/B63, DLG-2026-06-18-Z01 · Strang mathe-abi